Rätselhafte Blüte an den Sorten von Fargesia murielae



Fargesia murielae 'Dragon' Solitär Als 1995 die ersten blühenden Pflanzen bei der 'Neuen Generation' auftauchten, wurde noch an eine versehentliche Vermischung mit der 'Alten Murielae' geglaubt. Seit 2001 häufen sich die Blühmeldungen und treten an fast allen neuen Klonen auf. Inzwischen sind so viele blühende Pflanzen in Umlauf, dass die Pflanzenfreunde zu recht verunsichert sind und der Gartenbambus ein schlechtes Image bekommen hat.

Es gibt unterschiedliche Ursachen für die hausgemachte (nicht natürliche) Blüte in den neuen Sorten und leider werden immer noch Pflanzen der 'Alten Generation' in Umlauf gebracht, wie aus der nachfolgenden Auflistung zu ersehen ist.

1. Laborvermehrung
Wie überall gibt es unter den Pflanzenlabors 'Schwarze Schafe'. Besonders in einem Labor wird mit der Fargesienvermehrung unter Zugabe von Wachstums- und Farbhormonen experimentiert und unsauber gearbeitet. Die Sorte TEMSE wurde bereits seit 1994 im Labor vermehrt, von einem Gärtner kultiviert und durch einen Zulieferbetrieb auch unter dem Sortennamen PHÖNIX, FAVORIT, KRANICH etc. in Umlauf gebracht.
Unter diesen Pflanzen befindet sich inzwischen ein großer Prozentsatz von blühenden Pflanzen, (hier wurde im Labor zu viel experimentiert) und die Pflanzen kamen ohne die Ergebnisse ab zu warten in den Handel.

2. Etikettenschwindel
Als mir 1994 als Hobbyist und Bambusliebhaber ein sehr wüchsiger Sämling in die Hände fiel und ich diesen Kultivar 1995 als KRANICH taufte, kam mir nie der Gedanke, den Namen schützen zu lassen.

Unter den Vermehrungspflanzen aus Belgien befanden sich einige blühende Pflanzen, die ich unter der Annahme, es könne sich nur um irrtümlich einsortierte Pflanzen der 'Alten Generation' handeln, aussortierte. KRANICH wurde als wüchsige Sorte schnell populär und so wundert es heute nicht, wenn andere Sämlinge mit diesem Namen in Umlauf gebracht werden. In vielen Betrieben im In- und Ausland ist es üblich, Ersatzsorten zu liefern, wenn die gewünschte Sorte zur Zeit nicht lieferbar ist. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn die Pflanzen mit dem dazu gehörigen Namen versehen würden. Leider werden in der Regel die Ersatzsorten dann stillschweigend mit dem Bestelletikett geliefert und nur selten reklamiert. Bei Clematis, Stauden, Miscanthus oder Rosen merkt es der Kunde, wenn überhaupt, leider viel zu spät. Bei den Sorten von Fargesia murielae kann es eh nur ein Experte feststellen und das häufig auch erst nach vielen Jahren, denn die Unterschiede sind oft nur am Habitus zu erkennen. So tauchen im Handel häufig blühende JUMBO, SIMBA etc. auf.
Aber es gibt auch noch eine andere Ursache für Blühmeldungen an JUMBO, SIMBA, BIMBO, MAE und anderen Sorten. Fast sämtliche Sorten befinden sich auch in Laborvermehrung und kommen ohne Testpflanzungen in den Handel. So entdeckte ich bei den vielen neuen und auch bekannten Sorten blühende Pflanzen. Den Inhabern dieser Labors schien es gleichgültig zu sein "und wenn es mit der Fargesienvermehrung nicht mehr läuft, so werden andere Pflanzen vermehrt", war die Aussage.

3. Handel mit der 'Alten Generation'
Im europäischen Ausland besuchte ich auch einen Vermehrungsbetrieb, bei dem es mir bis heute nicht gelungen ist, den Besitzer davon zu überzeugen, dass alle Pflanzen aus dieser Vermehrung nach und nach in Blüte kommen und dann absterben. Unter dem Namen Fargesia murielae und Thamnocalamus spathaceus werden die Pflanzen noch immer vermehrt und in Umlauf gebracht. Durch eine intensive Vermehrung und mit einer guten Wasser- und Nährstoffversorgung scheint diese Baumschule die Pflanzen zu verjüngen, denn der Prozentsatz an blühenden Pflanzen ist dort nur gering. Auch im Labor wird weiterhin versucht, den Blühzeitpunkt zu verschieben, und es ist nicht auszuschließen, dass auch aus dieser Vermehrung weiterhin Pflanzen in Umlauf gebracht werden.

Ein in den Niederlanden sehr populärer Bambusbetrieb ist ganz stolz darauf, fast alle Klone der Neuen Generation im Labor zu haben, auch wenn ihm bekannt ist, dass dort immer wieder blühende Pflanzen entstehen.
Um diesem Dilemma entgegen zu steuern, geht das Bambus-Informationszentrum in Zusammenarbeit mit mehreren Vermehrungsbetrieben im Ammerland neue Wege. Der Fargesien-Ring wurde gegründet. Der Fargesien-Ring bietet nur Bambus aus vegetativer, traditioneller Vermehrung an und weist ausdrücklich darauf hin, das alle angebotenen Fargesien von per Hand geteilten Pflanzen (die Knospenvermehrung im Labor wird auch als vegetative Vermehrung bezeichnet, deshalb der Zusatz, per Hand) stammen. Außerdem sind 11 Klone zum Sorten- oder Namensschutz angemeldet, die frühestens in 60-80 Jahren wieder in Blüte kommen können. Nur durch eine kontrollierbare Vermehrung von Sämlingspflanzen können wir uns vor einer vorzeitigen Blüte und einem Sämlingsdurcheinander schützen.

Der Gartenbambus und ndere Fargesia-Arten haben inzwischen eine so hohen Stellenwert in unserer Gartenkultur, dass wir alles daran setzen müssen, um diesem Durcheinander ein Ende zu bereiten.

Fred Vaupel im März 2003. Überarbeitet im Oktober 2006
Blüte bei Fargesia nitida Zusammenfassung der
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